5 Fehler im Physikstudium: Lernen von Charles Munger, Arnold Schwarzenegger und Peter Thiel

sketch1503925921681 300x188 Du kommst frisch von der Schule mit einem Einser-Abitur in der Tasche?
Physik hat dir als Leistungskurs keine Probleme bereitet? Du hast Bücher von Hawking und Feynman gelesen und wissenschaftliche Videos auf Youtube geschaut?

Das hilft dir nicht.

Das Wintersemester kommt und mit ihm der Studienschock. Einerseits wirst du mit der enorm abstrakten und streng gehaltenen Mathematik kämpfen, wo jeder Index unter der Summe Durchgefallen oder Bestanden bedeutet. Andererseits sind da diese theoretischen Physikerinnen und Physiker, die Differentialgleichungen schamlos hier und da kürzen oder das Differential gleich nach dem Integralzeichen schreiben. Du wirst nicht nur mit dieser Vielfalt der mathematischen Ausdrucksweise leben müssen, sondern auch mit einem im Vergleich zur Schule enorm hohen Arbeitsaufwand.

Das Beruhigende daran: Es geht vielen Physikstudenten genauso.

Bevor du wie die vielen Studenten an deinem Studium verzweifelst
und zwei Urlaubssemester nimmst, teile ich mit dir meine Top 5 Fehler
im Physikstudium, die ich hätte lieber von Anfang an vermeiden sollen.

 

1) Versuchen, intelligent zu sein.

Intelligente Studenten, die frisch von der Schule kommen, haben
es normalerweise schwierig am Anfang: Sie haben sich an gute Ergebnisse mit relativ wenig Aufwand gewöhnt. In den ersten Semestern sind sie jedoch keine Einserkandidaten mehr. Und das kann sie fertig machen.

Wenn du ein intelligenter Mensch bist und dein Ego dir keine Ruhe gibt, dann höre, was ein alter und weiser Mann (nicht ich) dir sagt:

Charles Munger says, „It is remarkable how much long-term advantage people like us have gotten by trying to be consistently not stupid, instead of trying to be very intelligent. There must be some wisdom in the folk saying: ‚It’s the strong swimmers who drown.'“  (Aus „Seeking Wisdom: From Darwin to Munger“ von Peter Bevelin, meine Hervorhebung)

Versuche also nicht intelligent zu sein, sondern einfach nicht dumm.
Wenn dir  Fehler unterlaufen, betrachte sie nicht als Versagen,
sondern als eine Möglichkeit zu lernen und sich zu verbessern.

Viele Physikstudentinnen und -studenten, mich eingeschlossen, leiden an ihrer eigenen Dummheit.
Trotzdem studieren sie einfach weiter und beenden erfolgreich ihr Studium.

2) Der Perfektionismus

Verstehe mich nicht falsch: Ich will auch alles perfekt machen.
Das Streben nach Perfektion ist jedoch sinnvoll, wenn du zum Beispiel
deine Doktorarbeit schreibst – aber nicht, wenn du ein unbedeutender Bachelorstudent bist.

Wenn ich das Wort Perfektionismus schreibe, dann meine ich  damit ein
krankhaftes Streben nach Perfektion und Fehlervermeidung.
Denn du musst nicht jeden Beweis verstehen, jede Übungsaufgabe lösen und jedes
empfohlene Buch lesen.  Das Streben danach wird dich in den ersten Semestern kaputt machen.

Die andere Seite des Perfektionismus ist, dass man Fehler vermeiden will –
dabei ist das der größte Fehler überhaupt. Absichtlich und häufig Fehler machen
wollen ist pervers. Aber sie absolut vermeiden zu wollen ist langweilig und
gefährlich. Warum gefährlich? Weil du nicht weißt, was du nicht weißt.
Verstanden? Wenn du keine Fehler machst, dann weißt du nicht, was deine
Schwachstellen sind und was du nicht verstehst. Es ist schön, aus Fehlern
anderer Menschen zu lernen: Seine eigenen Fehler vergisst man jedoch selten.

Die beste und schnellste Methode, um im Physikstudium fortzukommen,
ist Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.  (Dies ist ein Grund, warum
du diesen Blogpost mit reinem Gewissen ignorieren kannst.)

 3) Seine Zeit mit banalen Problemen verschwenden

Banale Probleme sind der Grund, warum ich immer noch keine innere Ruhe
gefunden habe .
Solche Banalitäten können zum Beispiel die Installation eines Programms für das physikalische Praktikum oder ein Problem mit der Studienorganisation sein. Finde einfach einen Menschen, der sich mit dem Problem auskennt und dir helfen kann. Das ist alles. Wenn das Problem nicht dringend ist, dann lasse es vorerst beiseite bis die Hilfe kommt. Deine Zeit ist zu wertvoll. Lass dir helfen: Daran ist nichts verkehrt. Denn auch der große Arnold Schwarzenegger, der Terminator, ließ sich helfen:

I am not a self-made man. Every time I give a speech at a business conference, or speak to college students, or do a Reddit AMA, someone says it. “Governor/Governator/Arnold/Arnie/Schwarzie/Schnitzel (depending on where I am), as a self-made man, what’s your blueprint for success?”
They’re always shocked when I thank them for the compliment but say, “I am not a self-made man. I got a lot of help.

(Aus Tools of Titans von Tim Ferriss, meine Hervorhebung)

Es mag sein, dass deine Kommilitoninnen und Kommillitonen dich für dumm halten werden, wenn du ihnen oft Fragen stellst oder um Hilfe bittest: Aber was kümmert dich, was andere denken!

4) Mit seinen Kommilitonen konkurrieren

Ich kann Studenten, die mit ihren Kommilitonen konkurrieren, nicht ausstehen.
Ich mag sie einfach nicht. Solche Machiavellisten sind der Grund, warum ich immer noch kein Stoiker geworden bin.

Und kommt mir nicht mit „Nettsein macht sich nicht bezahlt“ und anderen Plattitüden: Sie sind per definitionem abgedroschene Redewendungen. Darüber
hinaus durchdringt der Wettbewerbsgedanke unsere Gesellschaft so sehr, dass
wir inzwischen halbblind für andere Ideen sind:

More than anything else, competition is an ideology – the ideology – that pervades our society and distorts our thinking. We preach competition, internalize its necessity, and enact its commandments; and as a result, we trap ourselves within it – even though the more we complete, the less we gain.

(Aus „Zero to One: Notes on Startups, or How to build the Future“ von Peter Thiel und Blake Masters)

Worauf Peter Thiel hinaus will, ist die sogenannte Blue-Ocean-Strategie, aber
das ist nicht der Punkt hier. Wer mit seinen Kommilitonen konkurriert, anstatt mit ihnen zu kooperieren, denkt kurzfristig. Nicht nur du brauchst die Hilfe anderer, sondern andere brauchen deine Hilfe ebenso.

Die Kooperation muss sich nicht unbedingt in  der üblichen Gruppenarbeit äußern.
Vielleicht kannst du besser recherchieren und findest schnell Musterlösungen.
Oder du hast bereits im letzten Jahr ein Modul belegt, das einer deiner Kommilitonen jetzt besucht: Du kannst ihm deine Mitschrift und ein paar Tipps
geben.  Es gibt viele Wege einander zu helfen – du musst es nur wollen.

5) Mehr lesen als nötig.

Es trifft nicht auf jeden Studenten zu. Ich kenne einige sehr intelligente Menschen, die kein einziges Physikbuch in ihrem Studium gelesen haben.
Leider gehöre ich nicht zu dieser Sorte von Menschen. Ich brauche Bücher, um das Gefühl zu haben, dass ich die nötigen Grundlagen gelernt und mein Wissen vertieft habe. Und dieses Gefühl hat mir mein Leben so ziemlich schwer gemacht, denn ich musste jedes Buch, das ich studierte, von Anfang bis Ende lesen.

Wenn du, wie ich, mehr liest als nötig, dann höre auf damit. Wenn du das nächste Mal ein naturwissenschaftliches Fachbuch studierst, dann lese nur thematisch relevante Kapitel. Fasse sie zusammen, wenn du willst. Zwingt dich jedoch das Buch zur Seite zu legen. Ganz einfach.

Das Bestreben, ein Buch der Reihenfolge nach von der ersten bis zu letzten Seite zu lesen, ist ein Zeitfresser: Lass es lieber, wenn deine Zeit dir wichtig ist.

 

Die meisten Physikstudenten wollen intelligent sein. Die meisten Studenten wollen besser sein als ihre Kommillitonen und sind bis zum Burnout fleißig. Im Grunde genommen ist das aber ganz einfach: Schaue, was die meisten Studenten
machen, und probiere das Gegenteil aus.

 

Im Folgenden findest du eine Anti-Checkliste im Physikstudium, die viele – si-
cherlich nicht alle – Fehler auflistet, die du lieber vermeiden solltest.

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