Social Engineering im Physikstudium

Du kannst unglaublich hart arbeiten, über 90% der Übungsaufgaben lösen und jede
Vorlesung nacharbeiten, als ob sie die erste wäre.

Das bringt aber nichts, wenn du nicht das Richtige lernst.

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Was bringt dir zum Beispiel, thermodynamische Aufgaben zu Carnot-
Prozessen, wie Nüsse knacken, zu können, wenn du in der Klausur Quantenstatistik
anwenden soll?

Im Verlaufe des Studiums kannst du lernen, anhand des Verhaltens
und der Sprache der ProfessorInnen die Klausurinhalte zu identifizieren.

Die Tricks dabei sind einfach aber effektiv.

Willst du die Klausur nicht nur bestehen, sondern darauf eine sehr gute Note bekommen, so solltest du jede Vorlesung besuchen – auch wenn der Vorlesende didaktisch eine Null repräsentiert und dich demotiviert, weiter zu leben.

Ich tue das aus folgenden Gründen:

Erstens markiere ich immer die Inhalte, die der Professor als wichtig bezeichnet.

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So kann er im Laufe der Vorlesung nebenbei bemerken, wie wichtig
es für ihn ist, dass jeder Physikstudent die vollständige Induktion beherrscht, oder welche Potenzreihenentwicklungen man wissen sollte.

Anhand seiner Sprache kannst du erkennen, was ihm gefällt und was er nur aus Pflicht behandelt. Denn das, was er wirklich mag, behandelt er auch länger und ausführlicher.

Zweitens kannst du durch geschickte Fragen mehr über die Klausurinhalte erfahren.

Angenommen du willst wissen, ob du in der Klausur etwas beweisen sollst – nicht dem Professor natürlich, sondern ein Theorem – dann nerve den Professor
damit, dass du spezielle Fragen zu in der Vorlesung behandelten Beweisen stellst.

Bleibe hartnäckig und bohre tiefer in die Beweisstruktur hinein. Du willst, dass
er die Beweise vollständig erklärt.

Wenn das Thema Beweise unwichtig ist, dann wird er dich letztendlich darauf hinweisen.

Was ich dann oft höre, sind Phrasen wie „Machen Sie sich keinen Kopf. Das ist jetzt nicht so wichtig.“ oder „Beschäftigen Sie sich nicht zu lange damit.“.

Am Semesterende sind in meinem Skript alle wichtigen Themen rot mit der Abkürzung KS (Klausurstoff) markiert.

Was ist aber, wenn der Vorlesende nichts über die Klausur verrät?

Was ist, wenn dieser Trick nicht funktioniert?

In diesem Fall kann man Physikprofessoren grob in zwei Persönlichkeitstypen
kategorisieren.

Der erste Typus zeigt sich locker.

Er hält nicht so viel vom Auswendiglernen und betont immer wieder, wie wichtig es ist, Zusammenhänge zu verstehen. Außerdem verhält er sich anti-autoritär und man darf ihn duzen. Er verachtet universitäre Normen und bevorzugt individuelle Leistung vor offiziell vorgesetzter Stundenanzahl an Arbeit.

Ich bezeichne deshalb diesen Typus als den Feynman-Typus.

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Sein Gegenspieler zieht Normen und Gesetze vor individuellem Können.

Man darf in seinen Vorlesungen nicht fehlen, denn das hat Konsequenzen. Seine Vorlesungen sind jedoch langatmig und zum Selbstmord langweilig.

Auf seinen Präsentationsfolien darf sein wissenschaftlicher Titel nicht fehlen, denn StudentInnen sollen sich vor diesem doppelten Dr. und einmaligen Prof. in Acht nehmen. Außerdem spricht er oft langsam und undeutlich.

Diesen Typus nenne ich den Aristokrat-Typus.

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Es lohnt sich zu verstehen, vom welchen Typus deine Professorin oder dein Professor ist. Denn du kannst dann vernünftig vermuten, ob du eine bestimmte Formel lieber auswendig lernst oder sie vergessen kannst, weil ihre Herleitung wichtiger ist.

Die Sternstunden des Social Engineering sind jedoch, wenn du deinen Professor manipulieren kannst.

Hier folgt ein Beispiel aus meiner Erfahrung:

In einer mündlicher Prüfung fragt mich mein Professor, der eher den Feynmann-
als den Aristokrat-Typus repräsentiert, nach dem sogenannten Bragg-Gesetz. Ob-
wohl ich das Gesetz auswendig weiß, will ich die Formel nicht einfach hersagen. Denn ich weiß, dass er keinen Wert auf das stupide Lernen legt, sondern von Herleitungen und physikalischem Verständnis begeistert wird.

Dementsprechend tue ich so, als ob ich sie nicht gelernt hätte. Ich sage ihm, dass ich sie dennoch herleiten kann. (das Bragg-Gesetz herzuleiten ist zum Lachen einfach).
Mit dieser Antwort werde ich ihm sympathisch und er ist folglich geneigt, mir eine sehr gute Note zu geben.

Ich glaube, dass viele StudentInnen es sich viel zu schwer machen. Irgendwie haben sie das Gefühl, dass sie nicht richtig lernen, wenn sie nicht leiden oder ihr Studium ihnen nicht schwer genug ist. Das muss nicht sein.


Es mag überraschend klingen – oder auch nicht – aber Kommunikation kann deinen Arbeitsaufwand im Studium enorm reduzieren. Rede also mit deinen Kommilitonen, Professoren, Übungsleitern und vielen Anderen. So findest du heraus, was im Studium wirklich wichtig ist.


 

Hast du andere Social Engineering Tricks drauf? Dann schreibe mir hier oder unten in den Kommentaren!

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